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Work-Life-Blending – Ein Arbeitsmodell mit Zukunft?

Working 9 to 5. So sieht der Joballtag vieler Arbeitnehmer aus. Job und Freizeit sind strikt voneinander getrennt. Das nach Hause kommen ist gleichbedeutend mit dem Feierabend und das Wochenende ist für Familie, Freunde und maximal noch Gartenarbeit da. Viele Generationen haben genau diesen Rhythmus gelebt. Doch wie sieht das Ganze heute aus? Aufgrund von flexibleren Arbeitszeiten und Homeoffice werden Arbeits- und Privatleben immer mehr miteinander vermischt. So sieht Work-Life-Blending aus – ein neues Arbeitsmodell, das es jedoch zu hinterfragen gilt:

Das Home wird zum Office

Fakt ist, dass die Grenzen bereits verschwommen sind: Eine Studie vom Kölner Markt- und Organisationsforschungsinstituts YouGov zeigt, dass viele Arbeitnehmer sogar freiwillig ihre Freizeit zum Wohl des Unternehmens opfern. Von ca. 750 Akademikern, die befragt wurden, gaben 22 Prozent an, dass sie etwa einmal pro Monat auch an Wochenenden oder Feiertagen für ihr Unternehmen arbeiten. 20 Prozent opfern mindestens einen Tag an jedem Wochenende für ihre Arbeit. E-Mails und Telefonate werden sogar von 50 Prozent in der Freizeit beantwortet. Allerdings stehen viele Arbeitnehmer der Vermischung von Arbeits- und Privatleben mehr als kritisch gegenüber. Die Ergebnisse einer Umfrage von Rundstedt „Talents & Trends“, bei welcher über 600 Berufstätige befragt wurden, zeigen, dass Berufstätige mit dem neuen Arbeitsmodell „Work-Life-Blending“ nicht zufrieden sind: Beispielsweise sind nahezu 70 Prozent der Befragten davon überzeugt, dass bei dieser Vermischung das Privatleben eher zu kurz kommt, aber dafür die Arbeit im Fokus steht. 40 Prozent der Berufstätigen, die befragt wurden, leisten aktuell bereits regelmäßig Überstunden. Trotz dieser negativen Aspekte sehen einige Arbeitnehmer durchaus Chancen in dieser Neugestaltung des Arbeitsrhythmus: 61 Prozent gaben an, dass für den Erfolg im Job nur Arbeiten nach Vorschrift nicht genügt. Zudem sehen 40 Prozent der Befragten auch Vorteile, die mit der Vermischung entstehen können.

Work-Life-Blending: Fluch oder Chance?

Tatsache ist, dass das Work-Life-Blending, wenn es zu einer reibungslosen Vermischung von Privatleben und Arbeit kommt, durchaus eine positive Entwicklung nach sich ziehen kann: Beispielsweise ist es möglich dadurch die Arbeit individuell an die Bedürfnisse des Einzelnen anzupassen. Kritiker weisen allerdings darauf hin, dass dieser Idealzustand von Verbindung von Arbeit und Freizeit nie erfüllt werden wird. Stattdessen wird diese Entwicklung eher als risikoreich angesehen, denn wenn die Kombination eben nicht klappt, dann bleibt das Privatleben häufig auf der Strecke. Es wird immer wieder kritisiert, dass Work-Life-Blending einfach nur dazu führt, dass zur eigentlichen Vollzeitstelle nochmal mehr Überstunden hinzukommen. Das Risiko, das Work-Life-Blending birgt, ist ganz klar, dass das eigentliche Blending schlichtweg gar nicht beachtet wird: Wenn das Arbeitsleben das Private fortan fast komplett überlagert, hat das nichts mehr mit einem gesunden Joballtag zu tun.

Work-Life-Blending: Teil zukünftiger Arbeitswelten

Obwohl die Stimmungen zu diesem Arbeitsmodell mehr als zwiegespalten sind, so ist Work-Life-Blending dennoch auf dem Vormarsch. Dabei fördern sowohl Arbeitgeber als auch (zukünftige) Arbeitnehmer diese Entwicklung: Unternehmen sehen hier die Möglichkeit ihren Erfolg dadurch weiter festigen und gleichzeitig die Mitarbeiter mit einem flexibleren Arbeitsalltag motivieren zu können. Wer sich als Bewerber auf eine Stelle als besonders anpassbar und flexibel anpreist, wird lieber genommen. Liegt bei einer Jobausschreibung ein besonderer Fokus auf „Work-Life-Blending“ wie z.B. durch die Option Home-Office, so weckt das gleich das Interesse bei den Bewerbern.

Unser Fazit: Work-Life-Blending bietet viele Chancen und birgt viele Risiken. Auf der einen Seite ermöglicht dieses Modell eine bessere Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Freizeit durch mehr Flexibilität. Auf der anderen Seite wachsen mit verschwommenen Grenzen von Job und Privatem auch der Leistungsdruck und die Belastung, denn man ist mehr oder weniger 24/7 erreichbar. Viele Arbeitnehmer sind bereits jetzt überfordert mit ihrem Leistungspensum. Wie gut das Modell funktioniert, hängt also eindeutig von der jeweiligen Person ab. Wichtig ist hierbei zu akzeptieren, dass Arbeit nicht mehr nur Arbeit und Privatleben nicht mehr nur Privatleben ist. Erst dann hören Schuldgefühle auf sich während der Arbeitszeit auch mal zum Frisör, statt nur zur Kantine zu bewegen. Nur wenn auch auf Kosten der Arbeitszeit und zu Gunsten des Privatlebens Dinge erledigt werden können, hat auch der Arbeitnehmer einen wirklichen Vorteil durch dieses Modell.

Ihre Elena

 

https://karrierebibel.de/work-life-blending/

Bildquelle: https://www.shutterstock.com/de 


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Über den Author
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Elena Ostkamp
Hey, ich bin Elena! Seit 2015 beschäftige ich mich mit allem, was Kommunikation und Medien angeht: Angefangen hat es mit einem Praktikum in Südafrika bei einem Hörfunksender. Das zeigte mir, dass Medien für mich der richtige Weg sind. Mein anschließendes Bachelorstudium „Medienkommunikation & Journalismus“ habe ich mit Praktika im Journalismus ...
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